Irgendwas ist anders. Schon auf der Hinreise mischt sich ein kleines, nervös zuckendes Spannungsmolekül ins vorfreudige Bauchgefühl. Nichts anmerken lassen. Kein Bachrauschen weist uns die Richtung, kein wummernder Bass, der uns beim Entgegenlaufen warmvibriert. Sind wir vom Weg abgekommen? Nein, niemals, ich sehs doch, da vorne endet das Meer aus Bäumen, dann sind wir endlich auf der heissersehnten Lichtung. Bevor wir dem Übermut erwachsene Geduld entgegensetzen können, rennen unsere Beine los. Doch beim ersten Schritt aus dem Waldrand wird unser übermütiger Ansturm augenblicklich ausgebremst. Genau da, wo der Bach jeden Sommer unbeschreibliche, sich im Zeitraffer verändernde Landschaften erblühen liess, gibt es nun... nichts mehr. Nur ein riesiger Krater. Wie mit einem übermächtigen Glacelöffel aus dem Erdboden geschält. Bittere Enttäuschung hat sich gerade breit gemacht, als erste, warme Tropfen auf empörte Gesichter fallen. Blicke nach oben. Hinter den schweren Wolken scheinen Blitze im Kreis zu tanzen. Immer schneller. Sie drehen sich, bis in ihrem Zentrum eigene Gravitation entsteht. Wir werden alle gleichzeitig aus den Schuhen gerissen. Verlieren Gepäck und Kleidung in turbulenten Luftströmen Richtung Weltraum. Gerade als die Höhe schwindelerregend wird, brechen wir durch die Wolkendecke und entdecken mit weit aufgerissenen Augen unsere Oase. Eine fliegende Insel ist sie geworden! Als würde sie sich eine schwebende Auszeit nehmen, dreht sie sich in Halbkugelform langsam um sich selbst. Wie selbstverständlich rinnt der Bach über ihre Kanten und zerstäubt in Millionen Wassertropfen. Der kleine Kugelblitz in unseren Bäuchen zieht uns in diese frisch geborene Atmosphäre. Ihre Geschichte nahm gerade erst ihren Lauf, wir werden sie mitschreiben und nur verstohlen grinsen, wenn unsere Urenkel:innen eines Tages nach Details fragen.